Wundertüte Hérault

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Languedoc – Reisetipp #5:

Du musst hier nicht viel fahren um viel zu sehen!


Eines möchte ich vorwegnehmen: Bob hat gestern nicht übertrieben als er seine Heimat in den höchsten Tönen gepriesen hat!

Aber eins nach dem anderen, macht es euch bequem und lehnt euch zurück!

Tageingangs bekommen wir auf der Terrasse der Hausherren eine formidables Frühstück, Bob ist stolz darauf dass seine Frau und er beinahe alles selbst gemacht haben. Da wären zunächst zwei Sorten Hausbrot, dann 3 raffinierte Marmeladesorten (Orangen-Safran, Pfirsich-Ingwer und lauter so Zeugs…), eine leckere Ringlotten-Tarte und als Krönung ein frisch gemachter Pfirsich-Juice.

Er freut sich weil wir uns freuen und gibt uns nochmal einige Tipps über die umliegenden Merk- und Sehenswürdigkeiten, wir gehen also gut gerüstet auf Tour.

Ab hier möchte ich mich schriftlich etwas zurückhalten, es gab an diesem Tag so unglaublich viel zu sehen dass ich lieber tonnenweise Bilder sprechen lassen will.

Unseren ersten Stopp hatten wir in Villeneuvette, nur wenige Kilometer von Pézenas entfernt.

Die Fahrt führt durch eine dieser für die Region so typischen Platanenalleen.

Was heute nur noch ein kleines gottverlassenes Dorf ist war zu Zeiten Ludwigs XIV. die königliche Textilmanufaktur. Sozusagen eine Industrieruine aus dem 18.Jahrhundert.

Heute leben hier einige Künstler, beinahe hätte ich schon wieder einen Blechvogel mitnehmen müssen!

Nicht weit hinter Villeneuvette liegt der Cirque de Mourèze, eine skurrile Ansammlung von Dolomitfelsen am Rande des Dorfes Mourèze.

Es gibt verschiedene Wanderrouten zwischen einer und vier Stunden Länge um die Gegend zu erkunden. Wir Luschen müssen sogar die kürzeste Runde noch Abkürzen weil wir heute noch so viel vorhaben…

Ein paar Kilometer weiter auf der anderen Seite des Berges liegt der Stausee Lac du Salagou, als Badesee sehr beliebt.

Wir fahren in das Geisterdorf Celles über das es eine lustige Anekdote zu berichten gibt.

Als nämlich der Stausee in den 1960er-Jahren geplant wurde hat der zuständige Vermessungsingenieur – mit Sicherheit eine große Leuchte seiner Zunft – berechnet dass das Dorf Celles in den Fluten des Sees versinken würde sobald der Stausee gefüllt ist.

Die Bewohner des Ortes wurden also rechtzeitig entschädigt und umgesiedelt.

Als der Stausee dann fertig gefüllt war staunten die Leute nicht schlecht, Celles war noch immer da und hätte nun beste Uferlage zu bieten gehabt! Dem Vermessungsmenschen war der Spott einer ganzen Region sicher, für die umgesiedelten Menschen jedoch war dies nur ein schwacher Trost…

Einige Kilometer haben wir danach zu fahren bis zu unserem nächsten Ziel. Langweilig wird es nicht, denn zu sehen gibt es auf der Strecke genug:

Zum Beispiel die restaurierte Windmühle die man jederzeit (ausser genau heute) besichtigen kann.

Oder ein Kreisverkehr, der auch ganz ohne Riesenblechwaldrapp einfach nur schön ist!

Wir kommen nun in die Südcevennen und stoppen am Cirque de Navacelles. Das Flüsschen Vis hat hier in den letzten paar Millionen Jahren einen beeindruckenden Talkessel gegraben. 400 Meter weit unten liegt das Dörfchen Navacelles, der fruchtbare Boden am Talboden ist der Grund warum hier Leute leben.

Hier der Talgrund nochmal in grösser

Ein Stück weiter kann man die Vis gut sehen, sie mäandert im tiefsten Canyon Europas!

Auch wir sind gefordert, müssen wir doch die steile Serpentinenstrasse runter zum Flusstal überwinden. In Wahrheit ist es eher ein großes Vergnügen über die gut ausgebaute und wenig befahrene Strecke zu fahren!

Dann führt die Strasse  das Tal der Vis entlang, jede Minute könnte man stehen bleiben um die Gegend zu betrachten und ein paar Fotos zu schießen. Hier schmiegt sich ein Dorf an die steilen Hänge, dort führt eine uralte Steinbrücke über das Flüsschen und da geht ein Forellenzüchter seinem Tagwerk nach.

Wir erreichen den Ort Ganges und ab hier folgen wir nicht mehr dem Lauf der Vis, ab hier ist es der etwas breitere Hérault dem wir folgen.

Allerorts wird gebadet, von den Felsen der Schlucht ins Wasser gesprungen, Kanu gefahren oder sonstigem Wassersport nachgegangen, der idyllische Fluss lädt dazu ein!

Ihr habt recht wenn ihr annehmt dass sich der Tag schön langsam dem Ende zugeneigt hat, wir jedenfalls hatten noch einige Kilometer Rückweg vor uns.

Auf diesem Weg liegt das Bergdörfchen St-Guilhem-le-Desert. Es ist nicht zu Unrecht auf der Liste „Die schönsten Dörfer Frankreichs“, Na, da lassen wir uns vom Touristenaufkommen nicht abschrecken und statten dem Ort doch einen Besuch ab!

Jetzt wird es dann aber wirklich schon hurtig und nur weil wieder mal jemand Lulu muss steuern wir auch noch den Parkplatz beim Pont de Diable an. Außer der Erleichterung gibt es auch sonst nichts zu bereuen, das französische Volk ist wieder mal am Baden, die Szenerie ist grandios, einige Lebensmüde stürzen sich sogar von der Brücke oder von den Klippen in die Tiefe!

Hier die echte historische “Teufelsbrücke”

Es ist zwar ausdrücklich verboten, scheint aber auch niemanden sonderlich zu jucken. Die hiesigen Mesdemoiselles jedenfalls kann man mit so einem Sprung aus 30 Metern ganz sicher schwer beeindrucken!

Seht ihr den Wahnsinnigen?
Ein Stück unter dem 2. Stützpfeiler segelt er durch die Luft.

Alsdann, jetzt haben wir´s aber!

Die letzten paar Kilometer noch bis Pézenas und dann sind und bleiben wir gleich zu Hause.

Eine Jause mit allerlei französischem Zeug ist angerichtet, wir lassen den Tag Revue passieren – und fühlen uns wie Gott in Frankreich!


Die Last, die man liebt,
ist nur halb so schwer

Sprichwort aus Frankreich


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